Mit dem Fahrrad und der Leinwand unterwegs

Mit dem Fahrrad und der Leinwand unterwegs – wie Arthur Eden seine Landschaften malte

Manchmal erzählt ein Gemälde nicht nur etwas über den Ort, den es zeigt, sondern auch darüber, wie es entstanden ist. Das gilt auch für ein bislang unbekanntes Werk von Arthur Eden-Sillenstede. Es zeigt eine Dorfstraße in Fedderwarden und wurde im Nachlass des Oldenburger Künstlers Gerhard Georg Krüger (1911 – 1991) entdeckt. Ein bemerkenswerter Fund, denn besonders der Zustand der Leinwand verdient Aufmerksamkeit, denn sie befand sich nie auf einem Keilrahmen. Stattdessen sind entlang ihrer Ränder kleine Löcher zu erkennen. Sie könnten Hinweise darauf geben, wie Eden seine Leinwand während des Malens befestigte. In diesem Zustand sind bislang nur wenige Leinwände bekannt, die ausschließlich in Edens eigenen Nachlass erhalten blieben.

Eine Dorfstraße in Fedderwarden

Fedderwarden, Kleine Reihe, um 1950, 44×34 cm, Öl auf Leinwand, Privatbesitz (WV-Nr. 1784)

Das Gemälde zeigt die Straße „Kleine Reihe“ in Fedderwarden. Sie führt zwischen drei Häusern hindurch und biegt im Hintergrund nach links ab. Rechts beherrscht ein hohes Gebäude mit einem rotbraunen Dach die Komposition.

Seine nahezu fensterlose Seitenwand nimmt einen großen Teil der Bildfläche ein. Dahinter steht ein niedrigeres Backsteinhaus mit dunklem Dach und weißen Fensterrahmen. Links schließt ein kleineres Gebäude mit tief heruntergezogenem Dach die Häusergruppe ab.

Eden wählte einen Standort, von dem aus sich die Gebäude dicht aneinanderreihen. Der Blick folgt der Straße bis zur Biegung, während die Dächer und Hauswände den Bildraum begrenzen. Ein kahler Baum auf der linken Seite lässt an die kühlere Jahreszeit denken.

Die „Kleine Reihe“ am 16. Oktober 2026.

Auffällig ist Edens Farbauftrag. Besonders auf den Dächern setzte er die Farbe mit kräftigen, deutlich sichtbaren Pinselstrichen auf. Das Rotbraun der Ziegel steht neben kühlen Grau- und Blautönen der Hauswände. Auch die Straße ist nicht gleichmäßig ausgemalt. Kurze, unterschiedlich gerichtete Striche lassen ihre unebene Oberfläche erkennen. Kleine grüne Farbakzente durch die Grasfläche am Straßenrand oder den Lattenzaun lockern die zurückhaltende Farbigkeit auf.

Eden verzichtete auf eine allzu genaue Ausarbeitung, denn ihn interessierten die Formen der Gebäude, ihre Stellung zueinander und die Lichtverhältnisse. Daher vermittelt das Bild den Eindruck einer unmittelbar vor dem Motiv entstandenen Arbeit.

Ein Vergleich mit einer Fotografie vom Oktober 2026 zeigt, wie sehr sich die Kleine Reihe inzwischen verändert hat. Zwei Häuser sind erhalten geblieben, doch Neubauten und die heutige Straßenbefestigung verändern den Anblick. Die Straßenführung lässt sich jedoch noch nachvollziehen. So bewahrt das Gemälde zugleich ein Stück Ortsgeschichte.

Wie befestigte Eden seine Leinwände?

Arthur Eden beim Malen der Kirche Accum, 1954

Wer heute an ein Ölgemälde denkt, stellt sich meist eine Leinwand vor, die fest über einen hölzernen Keilrahmen gespannt ist. Auch Arthur Eden arbeitete auf diese Weise.
Die grundierte Leinwand wurde über einen Holzrahmen gezogen und auf dessen Außenkante befestigt. Der Rahmen hielt das Gewebe straff, sodass der Maler auch mit kräftigem Pinseldruck arbeiten konnte. Doch Eden verwendete offenbar nicht ausschließlich diese Methode.

Eine andere Möglichkeit bestand darin, ein zugeschnittenes Stück Leinwand vorübergehend auf einer festen Unterlage zu befestigen. Dafür konnten beispielsweise kleine Nägel oder Reißzwecken verwendet werden. Die Unterlage gab dem Gewebe den nötigen Halt. Nach dem Malen ließ sich die Leinwand wieder abnehmen und ohne den zusätzlichen Holzrahmen aufbewahren.

Eine historische Aufnahme aus dem Jahr 1954 zeigt Eden beim Malen der Kirche in Accum. Er sitzt vor seiner Feldstaffelei, während ein großer Schirm die Leinwand vor Regen schützt. Die bemalte Fläche befindet sich auf einer größeren rechteckigen Unterlage aus Holz und ist mit Nägeln, beziehungsweise Heftzwecken temporär befestigt. Die Aufnahme vermittelt einen guten Eindruck davon, unter welchen Bedingungen Eden im Freien arbeitete.

Kleine Löcher als Spuren der Arbeit

An der Leinwand mit der Dorfstraße in Fedderwarden sind entlang der Ränder zahlreiche kleine Löcher sichtbar. Besonders am oberen und unteren Rand fallen sie auf. Die Leinwand wurde nicht bis an ihre Außenkanten bemalt. Ein schmaler, heller Streifen blieb stehen, stellenweise reichen die Pinselstriche allerdings fast bis zum Rand.

Besonders auffällig ist, dass an den Außenkanten die typischen, rechtwinklig verlaufenden Knickspuren fehlen, die beim Spannen einer Leinwand auf einen Keilrahmen entstehen. Dies spricht dafür, dass die Leinwand nie auf einen solchen Rahmen aufgezogen war. Vielmehr legen die Spuren nahe, dass Eden sie während des Malens auf einer größeren, festen Unterlage befestigte. Die kleinen Löcher entlang der Ränder dürften von Reißzwecken oder Nägeln stammen, mit denen er das Gewebe fixierte.

Jever, Stadt, Garten i. d. Schützenhofstr. 10, 1950er, 62×50 cm, Öl auf Leinwand, Nachlass Arthur Eden (WV-Nr. 153)
Wilhelmshaven, Kirche Neuende, 1940-50er, 70×55 cm, Öl auf Leinwand, Nachlass Arthur Eden (WV-Nr. 151)

Ein solches Vorgehen hatte praktische Vorteile, den die feste Unterlage gab der Leinwand Halt, auch wenn Eden die Ölfarbe mit kräftigem Pinseldruck auftrug. Nach Abschluss der Arbeit konnte er sie wieder lösen und flach aufbewahren.

Dass sich vergleichbare Spuren an weiteren Werken finden, zeigen vier Gemälde aus Edens Nachlass. Dazu gehören das Schloss Neuschwanstein, die Kirche Neuende (unvollendet), eine weitere Gebirgslandschaft (unvollendet) sowie ein Bildnis von Edens Garten in der Jeverschen Schützenhofstraße.

Auch bei diesen Bildern sind unregelmäßige Leinwandränder, helle Randzonen und teilweise kleine Löcher zu erkennen. Sie befinden sich auch heute nicht auf Keilrahmen. Besonders auffällig sind die zahlreichen Befestigungsspuren entlang der Außenkanten.

Mit dem Fahrrad zu seinen Motiven

Bis Ende der 1950er-Jahre war Arthur Eden häufig mit dem Fahrrad unterwegs. Seine Ausflüge führten ihn in einem Umkreis von etwa 30 Kilometern durch Friesland und die angrenzenden Gebiete. Dabei hatte er alles mitzunehmen, was er zum Malen benötigte: Staffelei, Farben, Pinsel, Palette, nötigenfalls ein Regenschirm, Proviant und natürlich die Leinwand.

Hohenschwangau, Schloss Neuschwanstein, 1959, 70×60 cm, Öl auf Leinwand, Nachlass Arthur Eden (WV-Nr. 150)

Das stellte ihn vor ganz praktische Herausforderungen. Ein auf einen Keilrahmen gespanntes Bild war zwar sofort einsatzbereit, nahm beim Transport aber verhältnismäßig viel Platz ein. Mehrere solcher Rahmen auf dem Fahrrad mitzunehmen, dürfte umständlich gewesen sein. Lose Leinwandstücke ließen sich dagegen leichter verstauen. Vor Ort konnte Eden sie auf einer festen Unterlage befestigen und nach dem Malen wieder abnehmen. Die Verwendung einer solchen Technik wäre für einen Maler, der seine Motive mit dem Fahrrad aufsuchte, durchaus praktisch gewesen.

Unbekannter Ort, Bergische Landschaft, 1959, 71×51 cm, Öl auf Leinwand, Nachlass Arthur Eden (WV-Nr. 152)

Interessant ist auch ein Blick auf spätere Fotografien. Sie zeigen Eden beim Malen ausschließlich mit Leinwänden auf Keilrahmen. Ob er seine Arbeitsweise im Laufe der Jahre veränderte, lässt sich daraus nicht mit Sicherheit ableiten. Denkbar ist jedoch, dass die lose Befestigung der Leinwand vor allem in jener Zeit eine größere Rolle spielte, als er noch regelmäßig mit dem Fahrrad weite Touren unternahm.

Welche Art der Leinwandbefestigung Eden bevorzugte, dürfte auch vom jeweiligen Bildformat und den verfügbaren Materialien abgehangen haben. Die meisten seiner Gemälde dürfte Eden vollständig vor Ort gemalt haben. Dafür sprechen auch Berichte, wonach Käufer ihre Bilder gelegentlich noch mit feuchter Ölfarbe direkt vom Malort mitnahmen. Es gab jedoch Ausnahmen, denn Augenzeugen erinnerten sich, dass Eden in einem Dorf zwei Motive zunächst nur grob skizzierte und erklärte, die Bilder später im Atelier vollenden zu wollen. Auch von einem Gemälde mit einem Kastanienbaum wird berichtet, dass er die Blüten erst zu Hause ergänzte. Eden entschied also offenbar von Fall zu Fall, ob er ein Bild unmittelbar vor dem Motiv fertigstellte oder die Arbeit im Atelier fortsetzte.

Autor:
Andreas Grundei