Heimatforscher Georg Janßen-Sillenstede

Anmerkungen zum Gemälde WV-Nr. 502:

Georg Janßen, 1940er, 50,5×62 cm, Besitz Grundschule Sillenstede (WV-Nr. 502)

Entbehren können, ohne zu leiden – das sei das größte Geschenk des Himmels“, so der Lebensspruch des Heimatforschers Georg Janßen-Sillenstede, der in den 1940er Jahren von Arthur Eden portraitiert wurde. Das Portrait fand über Jahrzehnte einen Platz in der Halle der Sillensteder Grundschule, und der gemalte Georg Janßen blickte in den nächsten Jahrzehnten auf Tausende Schüler nieder, die mehrmals am Tag sein Portrait auf dem Weg zum Pausenhof passierten.


Georg Janßen wurde am 9. September 1877 als einziger Sohn von drei Kindern des Landwirts Johann Folkers Janßen geboren. Sein Vater besaß das Landgut Wulfswarfe an der Straße zwischen Sillenstede und Fedderwarden. Janßen besuchte die landwirtschaftliche Winterschule in Varel und die Ackerbauschule in Norden, um sich auf die Tätigkeit in der väterlichen Landwirtschaft vorzubereiten. Doch die Pläne wurden schnell beendet, als er sich während seines Militärdienstes ein Rheumaleiden zuzog, welches ein schweres Herzleiden auslöste. Er war seitdem auf den Rollstuhl angewiesen und widmete sich fortan nach seinem Umzug nach Sillenstede bis zu seinem Lebensende der Heimat- und Familienforschung. Eden und Janßen verband eine lange Freundschaft. So portraitierte ihn der Maler mehrfach – 1918 wurde er im Rollstuhl sitzend auf dem Gemälde „Sillensteder Stammtisch“ verewigt. Zudem existieren noch zwei Skizzen und eine Kohlezeichnung (Siehe WV-Nr. 259, 263 und 906). Ebenso besaß Georg Janßen frühe Ölgemälde von Arthur Eden, die die Familie Eden später zurückkaufte, so zum Beispiel auch das „Haus unterm Glockenturm in Sillenstede“ (WV-Nr. 90).
Viele Jahre später hatte Georg Janßen seine Krankheit soweit überwunden, dass er nicht mehr den Rollstuhl benötigte und sogar wieder Fahrradfahren konnte. Er heiratete 1924 Adele Wessels aus Moorhausen und hatte zwei Kinder mit ihr. 1935 zog die Familie nach Jever. Für seine Tätigkeiten auf dem Gebiet der Forschung standen ihm unter anderem die Archive der Stadt Jever, des Mariengymnasiums und des Jeverschen Altertums- und Heimatvereins offen. 1937 übernahm er die ehrenamtliche Leitung des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins. Ihm verdankt das Museum eine Sammlung von 800 Hausmarken. Mit diesen Marken wurden Arbeitsgeräte versehen. Zudem ersetzten sie Unterschriften bei Schreibunfähigkeiten und entwickelten sich zu Familienzeichen, die auch in Wappen übernommen wurden. Arthur Eden malte die geometrischen Figuren der Hausmarken um 1938 anschaulich auf Holztafeln.
Aufgrund  seiner außergewöhnlich schlechten Augen musste sich Janßen in späteren Jahren vorlesen lassen. Texte konnte er nur noch diktieren. Er starb am 3. November 1947 und wurde in Sillenstede beerdigt.

Sillensteder Stammtisch, 1918, 110,5×80,5 cm, Nachlass Arthur Eden (WV-Nr. 97)

Von links nach rechts betitelte Arthur Eden rückseitig: Joh. Folk. Janssen Rentner, Joh. N. Blohm Landwirt, W. Hammie Hauptlehrer, Carl Woebken Pastor, C. G. Reents Landwirt, H. Specht Landwirt, Aug. Janssen Gastwirt, Georg Janßen Militärinvalide.

Autor: Andreas Grundei

Quellenangabe:
Friedrich Orth, Georg Janßen-Sillenstede, Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages, Jeversches Wochenblatt, 06.09.1977