Friesische Feldarbeit

Anmerkungen zum Ölgemälde WV-Nr. 1023:

Bauer Claas Becker am Wühlen, 1947, 50×40 cm, Öl auf Karton, Privatbesitz
Arthur Eden-Sillenstede zeigt in diesem Gemälde aus dem Jahr 1947 den Bauern Claas Becker aus Oldorf bei schwerer Feldarbeit. Claas Becker war der Bruder von Harmina Eden, geborene Becker, der Ehefrau des Malers. Dadurch erhält das Bild neben seiner dokumentarischen Bedeutung auch eine sehr persönliche, familiäre Dimension.
Im Mittelpunkt steht das sogenannte „Wühlen“, eine heute kaum noch bekannte Form der Bodenbearbeitung. Dabei wurde der Marschboden nicht einfach gepflügt, sondern mit großer Kraft tief aufgerissen und umgearbeitet – oftmals bis zu 80 Zentimeter tief. Ziel war es, verdichtete Bodenschichten aufzubrechen, den Boden zu entwässern und die Fruchtbarkeit zu verbessern. Diese harte Arbeit gehörte früher zum bäuerlichen Alltag in Friesland.

Bauer Claas Becker beim Wühlen (Kopie), 1948, 62×52 cm, Öl auf Leinwand, Besitz Schlossmuseum Jever (WV-Nr. 780)
Eden-Sillenstede gelingt es eindrucksvoll, die Schwere und Feuchtigkeit des Bodens malerisch erfahrbar zu machen. Die langen Gräben schneiden diagonal durch die Landschaft und führen den Blick tief in das Bild hinein. Die Farbigkeit bleibt bewusst zurückhaltend: graue, braune und bläuliche Erdtöne bestimmen die Szene und spiegeln die raue norddeutsche Marschlandschaft wider. Darüber öffnet sich ein weiter Himmel mit hellen, fast flirrenden Wolkenformationen.
Besonders charakteristisch ist der lebendige Duktus des Malers. Mit kräftigen, pastosen Pinselstrichen modelliert Eden-Sillenstede die aufgeworfenen Erdschollen beinahe plastisch. Der Mensch erscheint klein gegenüber der Weite der Landschaft und der Mühsal der Arbeit – und doch liegt in der Darstellung eine große Ruhe und Würde.
Das ursprüngliche Gemälde verblieb in der Familie von Claas Becker. Arthur Eden-Sillenstede fertigte jedoch einige Zeit später eine zweite Fassung beziehungsweise Kopie an. Diese befindet sich heute im Schlossmuseum Jever.

Autor: Andreas Grundei