Freundschaft auf Leinwand

Anmerkungen zum Ölgemälde WV-Nr. 87:

Egon Eggers, 1970, 50×62 cm, Öl auf Leinwand, Privatbesitz (WV-Nr. 87)
Vor wenigen Tagen wäre Prof. Egon Eggers 94 Jahre alt geworden. Das Foto, das ihn Jahrzehnte nach der Entstehung seines Porträts neben dem Gemälde zeigt, erzählt mehr als nur die Geschichte eines Bildes. Es erinnert an die besondere Verbindung zwischen Egon Eggers und dem Maler Arthur Eden-Sillenstede – eine Freundschaft, die entstand, bevor die beiden durch eine Heirat miteinander verwandt wurden.
Prof. Egon Eggers vor seinem Porträt.
Das Porträt entstand 1970 im Haus Arthur Edens in Sillenstede. Es zeigt den damals 36-jährigen Egon Eggers in einem Sessel sitzend, vertieft in die Lektüre eines Buches. Der Maler hielt einen Moment stiller Konzentration fest. Die zurückhaltenden Farben und die ruhige Haltung des Dargestellten verleihen dem Bild eine nachdenkliche Atmosphäre.
Über viele Jahrzehnte hing das Gemälde im Wohnzimmer von Egon Eggers in der Nadorster Straße und gehörte ganz selbstverständlich zu seinem Alltag.
Die Geschichte hinter dem Bild reicht jedoch viel weiter zurück. Egon Eggers, geboren 1934, und Arthur Eden kannten sich bereits aus Sillenstede. Die beiden Männer gingen häufig gemeinsam spazieren und verstanden sich ausgezeichnet. Zwischen ihnen entwickelte sich eine enge Freundschaft, die schon bestand, bevor Egon Edens Tochter Theda kennenlernte. Später wurde aus dieser Bekanntschaft eine Ehe. Mit einem Augenzwinkern erzählte Egon deshalb gerne, er sei „vor Theda mit Arthur zusammen gewesen“.

Während Egon Eggers seinen beruflichen Weg einschlug, blieb Arthur Eden ein wichtiger Begleiter. Nach seinem Studium der Volkswirtschaft wurde Eggers Diplom-Handelslehrer und wirkte später an der neu gegründeten Fachhochschule Wilhelmshaven. Als er 1965 sein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte, gratulierte ihm Arthur Eden auf seine unverwechselbare Art mit den Worten: „Fiert man düchtig dor upp“ und unterschrieb schlicht mit „de Moler“. Die Zeilen zeigen die herzliche Verbundenheit zwischen den beiden Männern.

Februar 2016: Andreas Grundei, Prof. Egon Eggers und Wilfried Wördemann beim Studium des Werkverzeichnisses anlässlich des 1.000. Werkes.

Auch nach der Heirat blieb die Beziehung von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt. Arthur Eden gewann in Egon Eggers nicht nur einen Schwiegersohn, sondern einen Menschen, der sich für sein Leben und sein Werk interessierte. Umgekehrt schätzte Egon die Gespräche, die gemeinsame Zeit und die Persönlichkeit des Malers. Das Porträt von 1970 kann deshalb auch als Ausdruck dieser besonderen Nähe verstanden werden.

Nach dem Tod seiner Frau Theda im Jahr 2006 kümmerte sich Egon Eggers um den Nachlass seines Schwiegervaters. Er bewahrte Dokumente, Erinnerungen und Kunstwerke und stand immer wieder als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn es um Arthur Eden und dessen Werk ging. Damit trug er dazu bei, dass die Erinnerung an den Maler lebendig blieb.

Als Egon Eggers im Dezember 2021 starb und in Sillenstede beerdigt wurde, endete ein langes und erfülltes Leben. Das Porträt, das Arthur Eden ein halbes Jahrhundert zuvor von ihm gemalt hatte, blieb jedoch erhalten. Heute erinnert es nicht nur an den jungen Mann mit dem Buch in der Hand, sondern auch an eine außergewöhnliche Freundschaft, die sich über Jahrzehnte bewahrte und schließlich zu einem Teil der Familiengeschichte wurde.

Autor: Andreas Grundei