Ein Schatz im Verborgenen

Anmerkungen zum Gemälde WV-Nr. 1217/1218:

Unbekannter Ort, Getreidehocken, 1950er, 58,5x44 cm, Privatbesitz
Unbekannter Ort, Getreidehocken, 1950er, 58,5×44 cm, Privatbesitz (WV-Nr. 1217)

Ich wunderte mich schon beim ersten Anblick dieses Gemäldes über die steife und gewellte Leinwand. Der erste Gedanke, dass der Keilrahmen nachgespannt werden müsste, lag auf der Hand, denn oftmals wird die Leinwand durch Umwelteinflüsse labbrig. Die Überraschung war jedoch groß, als ich dieses 60 Jahre alte Gemälde mit einer Darstellung von Birken und Hocken von der Wohnzimmerwand der Besitzerin nahm und umdrehte, denn auf der Rückseite der Leinwand befand sich ein zweites Ölbild, welches Arthur Eden nicht vollendete. Der Keilrahmen verdeckte am Rand die Ansicht auf das Motiv, aber das Bild zeigte ein Getreidefeld und eine Birke mit Feldweg. Der Künstler mag das Bild wohl als nicht gelungen empfunden haben und benutzte aus Gründen der Sparsamkeit die Rückseite der Leinwand für ein neues Bild, welches er später verkaufte.

Ansicht des rückseitigen Gemäldes im originalen Zustand.

Um dieses verborgene Gemälde weiter zu erforschen, entfernte ich die Heftzwecken, mit denen die Leinwand seitlich am Keilrahmen befestigt ist. Anschließend konnte der Keilrahmen entfernt werden, sodass der Blick auf das gesamte Gemälde möglich war. Ich vermutete, dass sich das Motiv vor den Toren Jevers befand.

Ansicht des rückseitigen Gemäldes ohne Keilrahmen mit Betitelung (oben rechts)

Auf dem Bild hatte Eden mit sechs dicken und kräftigen Strichen einen Pinsel mit schwarzer und grüner Ölfarbe ausgestrichen, als wenn er damit das Bild entwerten wollte. Zu meiner Überraschung befand sich in der oberen rechten Ecke die Betitelung „vor Heidmühle“, die Eden mit Bleistift notierte.

Schortens, Vor Heidmühle, um 1960, 58,5x44 cm, Privatbesitz (WV-Nr. 1218), digital restaurierte Ansicht
Schortens, Vor Heidmühle, um 1960, 58,5×44 cm, Privatbesitz (WV-Nr. 1218), digital restaurierte Ansicht.

Nachdem ich das Bild fotografiert hatte, zog ich die Leinwand wieder auf den Keilrahmen und rahmte das Gemälde. Am Computer entfernte ich mit einem Bildprogramm die dicken Pinselstriche, mit der Eden das Bild „entwertete“. Es wurden ebenso verschmutzte Stellen retuschiert und die Farben aufgehellt, sodass sich ein Blick auf das Gemälde ergab, wie es hätte sein können, wenn Arthur Eden das Bild vollendet hätte.
Nach der Aufarbeitung dieser Entdeckung verschwand das verborgene Bild wieder mit Blick in Richtung Wand.

Eine ähnliche Entdeckung machte ich bei dem Bild mit den Verzeichnisnummern 851 und 852.

Autor: Andreas Grundei